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Ein VIP-Projekt in Kooperation mit Freudenberg Filtration Technologies
Die meisten Autofahrer*innen beschäftigen sich erst mit ihrem Innenraumfilter, wenn unangenehme Gerüche im Fahrzeug auftreten. Dabei trägt dieses unscheinbare Bauteil entscheidend zur Luftqualität im Innenraum bei – ein Aspekt, der angesichts steigender Luftverschmutzung, häufiger Allergien, einer alternden Fahrzeugflotte und neuer Mobilitätsformen zunehmend an Bedeutung gewinnt.
Im Sommersemester 2026 beschäftigten sich Studierende der Technischen Hochschule Mannheim im Rahmen eines Virtual Innovation Player (VIP)-Projekts gemeinsam mit Freudenberg Filtration Technologies mit der Frage, wie sich der Markt für Innenraumfilter im sogenannten Independent Aftermarket künftig entwickeln könnte – also im Ersatzteilmarkt außerhalb der Fahrzeughersteller.
Ein Markt zwischen Wandel und Unsichtbarkeit
Die Autoindustrie steht vor einem tiefgreifenden Wandel – und der betrifft auch unscheinbare Bauteile wie den Innenraumfilter. Fahrzeuge werden länger genutzt, Wartungsarbeiten zunehmend außerhalb klassischer Vertragswerkstätten durchgeführt oder selbst übernommen. Gleichzeitig verändern digitale Informationsangebote und neue Mobilitätsformen wie Carsharing oder Mietmodelle den Zugang zu Fahrzeugen und Ersatzteilen.
In diesem Wandel geraten auch Bauteile in Bewegung, die bislang wenig Beachtung fanden – etwa der Innenraumfilter: Während sich Fahrzeuge technologisch weiterentwickeln, bleibt der Umgang mit vielen Verschleißteilen für Nutzer*innen oft wenig transparent. Fragen wie „Welcher Filter ist der richtige?“ oder „Wann ist ein Wechsel notwendig?“ werden im Alltag häufig erst dann relevant, wenn die Luftqualität subjektiv als unangenehm wahrgenommen wird.
Vom Alltagsverhalten zur Zukunftsfrage
Die Analysen der Studierenden zeigen, dass Innenraumfilter im Alltag meist reaktiv wahrgenommen werden. Wissen über Wechselintervalle, Filtertypen oder gesundheitliche Zusammenhänge ist oft begrenzt.
Gleichzeitig wächst die Aufmerksamkeit für ein Thema, das lange unterschätzt wurde: Luftqualität. Steigende Feinstaubbelastungen, ein wachsendes Gesundheitsbewusstsein und Umweltphänomene wie Waldbrände verändern die Wahrnehmung dessen, was „gute Luft“ im Alltag bedeutet. Mit der Elektromobilität verschiebt sich dieser Fokus zusätzlich: Wenn Motorengeräusche wegfallen, treten Gerüche, Luftqualität und das gesamte Innenraumerlebnis stärker hervor.
Diese veränderte Wahrnehmung zeigt sich auch international. In einigen Märkten sind Innenraumfilter bereits fest im Alltag verankert. Wie weit dieser Trend bereits reicht, zeigt ein Blick nach Südkorea: Während eines Aufenthalts in Südkorea beobachtete ein Projektmitglied, dass Innenraumfilter dort selbstverständlich im Supermarkt erhältlich sind – als Konsumprodukt, das unmittelbar an alltägliche Bedürfnisse anknüpft.
Damit wird der Innenraumfilter nicht nur zu einem technischen Bauteil, sondern zunehmend zu einem Element im Zusammenspiel von Gesundheit, Wahrnehmung und Nutzererfahrung.
Neue Perspektiven auf den Ersatzteilmarkt
Im Projekt wurde deutlich, dass sich die Herausforderungen im Ersatzteilemarkt nicht allein auf das Produkt selbst beziehen. Zunehmend stehen Fragen der Information, Orientierung und Servicegestaltung im Vordergrund: Wie finden Nutzer*innen den passenden Filter? Welche Rolle spielen digitale Plattformen oder Empfehlungen? Und wie kann Wartung so gestaltet werden, dass sie verständlich und zugänglich ist?
Damit rückt nicht mehr das Ersatzteil allein in den Mittelpunkt, sondern das Zusammenspiel aus Produkt, Information und Service für die Nutzer*innen.
Digitale Technologien als Gestaltungsraum
Digitale Technologien eröffnen zusätzliche Entwicklungsperspektiven. Künftig könnten vernetzte Fahrzeuge den Filterzustand selbst erfassen – und Wartungsbedarfe frühzeitig melden. Ebenso sind stärker personalisierte Lösungen oder datenbasierte Serviceangebote denkbar.
Im Projekt arbeiteten die Studierenden mit KI-Tools, die Daten analysierten und strukturierten, Muster sichtbar machten und mögliche Zukunftsszenarien visualisierten. Dadurch entstanden neben analytischen Ergebnissen auch anschauliche Szenarien, die unterschiedliche Entwicklungspfade sichtbar machten.
Projektabschluss im Strategy Meeting
Den Abschluss des VIP-Projekts bildete ein hybrides Strategie-Meeting mit Freudenberg Filtration Technologies. In dieser Veranstaltung präsentierten die Studierenden ihre Ergebnisse und diskutierten diese gemeinsam mit Vertreter*innen des Unternehmens.
Im Mittelpunkt stand dabei nicht die Suche nach einer eindeutigen Prognose, sondern der gemeinsame Blick auf mögliche zukünftige Entwicklungen und deren Implikationen für Markt, Nutzerverhalten und Produktgestaltung. Das Meeting markierte damit den offiziellen Abschluss des Projekts und zugleich einen intensiven Austausch zwischen Wissenschaft und Praxis.
Ein unscheinbares Bauteil mit großer Perspektive
Der Innenraumfilter zeigt exemplarisch, wie sich Mobilität im Zusammenspiel von Gesundheit, Technologie und Nutzerverhalten verändert. Er zeigt außerdem, dass Innovation oft dort beginnt, wo man sie nicht vermutet – bei Alltagsprodukten, die plötzlich neue Bedeutung gewinnen.
Über VIP
Das Virtual Innovation Player (VIP)-Projekt ist ein praxisnahes Transferformat der Technischen Hochschule Mannheim, das Hochschulen und Unternehmen zusammenbringt. Interdisziplinäre Studierendenteams analysieren Marktpotenziale, entwickeln Zukunftsszenarien und erarbeiten Lösungen für konkrete Herausforderungen an der Schnittstelle von Wissenschaft und Wirtschaft. Die Ergebnisse fließen in den Austausch mit den Projektpartnern ein und bilden die Grundlage für weiterführende Kooperationen. So stärkt VIP den Wissenstransfer zwischen Hochschule und Praxis und bietet Studierenden wertvolle Einblicke in Innovations- und Transformationsprozesse.
Ansprechpersonen:
Prof. Dr. Stephan Altmann
Fatma Aydin






Fotos: Fatma Aydin
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